Was sind gute Alternativen zu WhatsApp?

Facebook hat WhatsApp gekauft. Ein bemerkenswerter Deal: Zum einen wegen der astronomischen Kaufsumme von satten 19 Milliarden Dollar, zum anderen wegen den massiv wachsenden Nutzerdaten, die nun Facebook gehören – zumindest nach ökonomischem Verständnis. Facebook hat 1,2 Milliarden Nutzer – zu denen kommen nun schlagartig 450 Millionen WhatsApp-Kunden dazu. Das gefällt nicht jedem.

Screenshot WhatsApp Homepage

Der Vorgang verunsichert nicht nur die Nutzer, sondern führt aktuell in vielen Fällen dazu, dass Alternativen zu WhatsApp derzeit vermehrt nachgefragt werden. Gut nachvollziehbar, denn nun kennen die Zuckerbergs nicht nur Hobbys, Familie, Vorlieben und Gebräuche seiner Nutzer, sondern auch Telefonnummern und Chats – und pro Tag kommen ca. 17 Mrd. verschickte WhatsApp-Nachrichten dazu. Die Meldung, dass WhatsApp nun auch Telefonie können soll, lässt auf weitere Datensammlungsabsichten schließen.

Das Verwenden des Instant Messengers WhatsApp war für die Nutzer immer schon ein Sicherheitsrisiko: Daten wurden lange Zeit unverschlüsselt übertragen und auf Apple-Servern gespeichert. Vor dem Hintergrund diverser Spähaffären um NSA, GCHQ, BND usw. muss man zudem fast annehmen, dass die eigenen Daten eines Tages in unbekannte Hände gelangen und womöglich zum persönlichen Nachteil verwendet werden.

Aber auch wenn der Wechsel weg von WhatsApp sinnvoll sein kann, sollte man beachten, dass auch andere Dienste, die derzeit als Alternative gehandelt werden, eines nicht mehr allzu fernen Tages ebenfalls verkauft/ zerlegt/ gehackt werden – mit den bekannten Folgen für die Nutzer. Blinder Aktionismus ist also nicht hilfreich – es lohnt sich aber trotzdem, eine der zahlreichen Messenger-Alternativen auszuprobieren.

Hier eine Auswahl der derzeit am meisten genutzten Lösungen, welche ihren Fokus vor allem auf die Sicherheit der zu übertragenden Daten legen:

Threema

https://threema.ch/de/

Threema ist ein Messenger aus der Schweiz. In Googles Playstore gerade für 1,60 Euro zu haben, bei Apple für 1,79 Euro. Als besondere Stärke hebt Threema die eingesetzte, asymmetrische Kryptographie hervor (Elliptic Curve Cryptography (ECC) mit der NaCl Cryptography Library), die angeblich auch Spionage-Versuche durch die NSA et al. verhindern können soll:

Sämtliche Verschlüsselung und Entschlüsselung der Nachrichten geschieht direkt auf dem Gerät, und der Benutzer hat den Schlüsselaustausch unter Kontrolle. So ist sichergestellt, dass kein Dritter — nicht einmal der Serverbetreiber — den Inhalt der Nachrichten entschlüsseln kann.

Quelle: https://threema.ch/de/faq.html, Stand 24.2.2014

Threema ist nominell derzeit die stärkste Konkurrenz unter den WhatsApp-Gegenspielern. Die Kritiken sind mehrheitlich positiv – Bewertungen und Kritik für Android hier, für iOS hier.

Telegram

https://telegram.org/

Das kostenlose Telegram stammt zum Teil aus der Feder von Entwicklern des Unternehmens VKontakte. Das Unternehmen ist die russische Antwort auf Facebook, kommuniziert aber ganz deutlich seine hervorragenden Sicherheitsstandards wie verschlüsselte Datenübertragung. An der Stelle ist allerdings auch schon Kritik laut geworden, Telegram setze auf eine veraltete Verschlüsselungstechnik. Den aktuellen Download-Zahlen tut diese Diskussion derzeit allerdings scheinbar keinen Abbruch.

Enjoystr

https://www.enjoystr.com/

Deutsches Instant Messaging mit Not-Aus: Derzeit wohl noch eher ein Geheimtipp ist die kostenlose Whatsapp-Alternative enjoystr. Gibt’s für Android und Apple-Geräte. Besonderes Merkmal ist die Möglichkeit, bereits verschickte Nachrichten zurückzurufen. Zudem werden alle Nachrichten nach dem Verschicken auf den enjoystr-Servern gelöscht – Nachrichten liegen somit nur auf dem jeweiligen Endgerät vor. Der Klarname der Nutzer wird nicht verlangt, es gibt keinen Abgleich mit dem persönlichen Adressbuch des Nutzers, Sendungen werden per SSL abgeschirmt. Ein Minus gibt es für den Funktionsumfang: Es kann nur Text & Bild verschickt werden.

MyENIGMA

https://www.myenigma.com

Ebenfalls aus der Schweiz stammt der (noch) kostenlose Messaging-Dienst MyEnigma. Zwar gibt es hier ebenfalls eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, allerdings gleicht die App ungefragt Telefonbucheinträge ab, um nach Kontakten zu suchen, die ebenfalls myenigma installiert haben.
Der Funktionsumfang ist vergleichbar mit WhatsApp (Übertragung von Bild, Text, Video, Audio). Im Play-Store fallen relativ viele Kritiken über verspätet zugestellte Nachrichten auf…

Jabber/ XMPP

z.B. https://chatsecure.org/

Das Protokoll XMPP erlaubt OTR-Verschlüsselung. OTR steht für „Off The Record“ und meint die hohe Verschlüsselungsstärke. Nach einem Datenaustausch ist es nicht möglich nachzuweisen, das dieser überhaupt stattgefunden hat – auch nicht durch die Teilnehmer selber. Die Wikipedia ergänzt:

Da die Server-zu-Server-Verschlüsselung von XMPP nicht vom Endbenutzer beeinflusst werden kann, weil sie im Hoheitsbereich der Serveradministratoren stattfindet, ist die für den Endbenutzer größtmögliche Sicherheit durch die gleichzeitige Verwendung von Client-zu-Server-Verschlüsselung und Ende-zu-Ende-Verschlüsselung erreichbar.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Extensible_Messaging_and_Presence_Protocol, Stand: 24.02.2014

Für die Nutzung der entsprechenden Verschlüsselung ist eine Jabber ID notwendig. Diese ist die eindeutige Kennung eines jeden Jabber-Nutzers und mit dieser wird ein Client wie z.B. Chatsecure bedient. Dieser ist kostenfrei für Android und iOS nutzbar.

Weiterlesen:

Alternativen zu Facebooks Whatsapp bei Golem:
https://www.golem.de/news/ende-zu-ende-verschluesselung-alternativen-zu-facebooks-whatsapp-1402-104693.html

Instant Messenger vorgestellt in der ARD-Mediathek:
https://www1.wdr.de/fernsehen/ratgeber/markt/extras/whatsapp158.html

Autor:
Jochen Meiring

Jochen Meiring hat seinen M.A. in Kommunikationswissenschaft an der WWU Münster gemacht. Als Experte für Content Marketing setzt er sich immer wieder mit neuen Trends im Onlinemarketing auseinander. Seine Kreativität und Neugier kann er in den unterschiedlichsten Kundenprojekten und im Blog von interface medien ausleben.

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