Wie muss Marketing für die Generation Z aussehen?

Victoria M. aus der Generation Z beim Fotografieren für eine 404-Seite

Bewerbungen von PraktikantInnen nehmen wir ehrlicherweise nur selten für zwei Wochen an. Trotzdem sind wir froh, dass wir Victoria M. einen kleinen Einblick in unseren Arbeitsalltag bieten konnten. Denn nicht nur sie hat von uns, sondern wir auch von ihr gelernt. Und zwar wie das Marketing für die Generation Z aussehen könnte. Im Interview erfuhren wir aus erster Hand welche Werbung sie anspricht, wo sie online unterwegs ist, aber auch warum sich Ihre Vorstellung von Marketing erweitert hat.

  1. Nutzungs von Apps, Netzwerken und Shops
  2. Sprachassistenten und Voice Search in der Generation Z
  3. Marken und Werbung in der Generation Z
  4. Kaufverhalten der Generation Z
  5. Rückblick auf das Praktikum
  6. Was bedeutet das nun für das Marketing der Zukunft?

Nutzung von Apps, Netzwerken und Shops

Hi Victoria, heute zeigen ausnahmsweise nicht wir dir, was wir hier machen, sondern du könntest uns erzählen, wie du online unterwegs bist.

Erzähl doch mal. Wir haben ja schon z. B. gemerkt, dass du Facebook im Grunde gar nicht kennst. Welche Apps nutzt du auf deinem Smartphone? Bist du regelmäßig auf bestimmten Websites, Shops oder in sozialen Netzwerken unterwegs?

Also ich nutze YouTube, WhatsApp & Snapchat. Instagram habe ich nicht, aber sonst haben eigentlich fast alle aus meiner Klasse Instagram. Was Shops angeht habe ich zum Beispiel die App von Nike auf dem Handy. Pinterest nutze ich auch. Von Adidas, Pull & Bear und anderen Marken und Shops habe ich auch die Apps heruntergeladen. Es ist halt einfacher als erst übers Internet zu gehen.

Und warum bist du nicht bei Instagram, wenn sonst fast alle aus deiner Klasse da sind?

Bilder, die man postet, könnten gehatet werden und damit muss man sich, finde ich, nicht unbedingt auseinandersetzen. Jetzt wäre es glaube ich auch schon fast zu spät, Instagram noch herunterzuladen.

Und ist das typisch für dich und deine Freunde? Gibt es da Unterschiede?

Es ist eigentlich schon typisch bis auf Instagram. Eine Freundin hat auch Instagram, die andere auch nicht. Ansonsten ist da glaube ich kein so großer Unterschied.

Was gefällt dir an den Apps und Netzwerken, die du nutzt, besonders?

Also YouTube nutze ich halt zur Unterhaltung, WhatsApp, um schnell zu kommunizieren und Snapchat ist interessant, weil man sieht, was die anderen gerade so machen. Und es ist „sicherer“,weil andere die Bilder, die man verschickt nur für ein paar Sekunden sehen können. . Es kann nicht gegen einen verwendet oder gescreenshottet werden. Bei WhatsApp zum Beispiel sieht man nicht, wenn jemand einen Screenshot macht.

Und was guckst du dir dann genau an?

Also ich schau mir amerikanische Youtuber an und interessiere mich auf für Thrift Shops, also Shoppen in Second-Hand-Läden. Ich gucke mir auch mal bei Youtube so etwas wie Bibis Beauty Palace oder andere bekannte Youtuber mit vielen Abonnenten an, aber eher um auf dem Laufenden zu sein, nur kurz, damit man weiß was da los ist und man mitreden kann.

Ist dir dort auch schon einmal Werbung aufgefallen?

Bei Snapchat Storys kommt immer mal wieder eine Anzeige, die man aber direkt überspringen kann. Ist mir also schon aufgefallen, meistens überspringe ich die direkt, aber manchmal gucke ich mir die auch an, zum Beispiel Klamottenwerbung. Eine richtig interessante Story oder ein Bild können schon dazu verleiten einmal länger zu gucken.

Sind deine Eltern auch dort angemeldet? Oder wie wäre es, wenn deine Eltern dort auch angemeldet wären?

Sie sind natürlich bei WhatsApp, aber bei YouTube sind wir ja alle nicht mit einem Account angemeldet. Und bei Snapchat wäre es schon sehr peinlich. Das ist ganz gut, dass sie dort nicht sind.

Sprachassistenten und Voice Search in der Generation Z

Nutzt du so etwas wie Sprachassistenten wie Siri oder Alexa? Habt ihr so etwas zu Hause?

Ich habe HeySiri auf meinem Handy genutzt, aber meine Eltern haben gesagt, dass ich es besser abschalten soll,alles mitgeschnitten wird.. Aber eigentlich fand ich es sehr praktisch, wenn man zum Beispiel wissen will, wie alt ein Star ist, dass man direkt die Antwort bekommt.

Man kann Siri ja auch am Smartphone per Knopfdruck aktivieren, aber das bringt ja nicht viel, dann kann man auch Googlen. Wir haben kein Gerät wie einen smarten Lautsprecher zu Hause aber manchmal merkt man es bei kleinen Kindern, die direkt nach Alexa rufen, wenn sie zu Besuch sind und sich wundern, wenn dann keine Alexa antwortet. Sie erzählen dann auch: Alexa hat heute Morgen zu mir das und das gesagt. Mir ist das auch ein bisschen suspekt, dass die alles mitschneiden.

Marken und Werbung in der Generation Z

Was sind Produkte oder Marken, die dir besonders gefallen?

Adidas, Nike, Puma, Only, America Today, hauptsächlich Klamotten. Bei Marken denkt man irgendwie zuerst an Klamotten, also ich zumindest.

Was ist dir wichtig beim Einkaufen, bei Produkten oder auch bei Marken?

Der Preis irgendwie. Wenn etwas zu günstig ist, ist da irgendetwas falsch, aber zu teuer darf es auch nicht sein. Die Qualität spielt auch irgendwo eine Rolle und das Aussehen natürlich.

Welche Art von Werbung gefällt dir? Wo begegnet dir Werbung überhaupt?

Videowerbung finde ich am interessantesten. Bei einem Bild ist man schnell durch mit dem Angucken. Es sollte etwas Auffälliges sein, mit großer Schrift. Bei Naturbildern zum Beispiel würde ich eher an eine ältere Zielgruppe denken.

Was sollte man als Unternehmen tun, um deine Aufmerksamkeit zu bekommen? 

Wenn ich das Unternehmen noch nicht kenne, dann ist es allgemein schwierig. Sachen verkaufen, die mich interessieren, würde ich sagen. Habe ich mir noch nicht so drüber Gedanken gemacht. Ich denke, dass man da mit Werbung auf jeden Fall weiterkommt. Und vor allem digitaler Werbung. Große Außenplakate nehme ich kaum wahr. Wenn man mit dem Bus durch die Stadt fährt, guckt man oft nur aufs Handy. So Plakate oder so fallen mir höchstens mal mit dem Fahrrad auf.

Nervt Werbung dich?

Ja eigentlich schon. Wenn man Spiele spielt, und nach jedem zweiten Mal da Werbung kommt, nervt das schon, weil man ja weiterkommen will. Und wenn bei YouTube-Werbung kommt, versuche ich die weiterzuklicken. Wenn das nicht geht, aktualisiere ich solange bis es ohne Werbung weitergeht. 3 oder 4 Mal muss man da schon aktualisieren. Aber ich habe das Gefühl, das geht schneller als sich 17 Sekunden lang Werbung anzugucken. Draußen an die Werbung hat man sich schon gewöhnt.

Kaufverhalten der Generation Z

Gehst du oft in Läden oder kaufst du auch schon online ein?

Online nur mit meinen Eltern und ich gehe dann schon auch noch gerne in Läden einkaufen. Ein bisschen mehr als ein Viertel wahrscheinlich online und drei Viertel in Läden shoppen. Ich gehe auch gerne so shoppen, weil ich mich dann nicht mit meinen Eltern absprechen muss.

Welche Läden gefallen dir da besonders gut?

Wenn mehrere Marken in einem Laden sind, ist es schon praktischer, dann muss man nicht in so viele verschiedene Läden. Einkaufscenter an sich finde ich auch praktisch. Wenn es zu dunkel ist, gehe ich eher ungern rein. Es sollte schon relativ modern sein und nicht so alte Möbel haben.

Hast du Vorbilder, denen du folgst? Wem folgst du?

Leute, deren Style man gut findet, gucke ich mir an oder um zu gucken, was man selbst noch haben möchte. Bei Pinterest schaue ich mir auch die Vorschläge an von Styles, die einem vorgeschlagen werden. Ich bin da schon eher sprunghaft. An dem einen Tag das eine und an dem anderen vielleicht das andere.

Rückblick auf das Praktikum

Wie hat dir das Praktikum gefallen?

Ich fand es sehr interessant, dass so viel hinter Werbung steckt und was es alles für Werbestrategien gibt. Dass es zum Beispiel Marken bei ebay und Amazon gibt und dass auch so viel Berechnung dahintersteckt und dass man die Leute durch Blogs und so weiter auch versucht auf die eigene Seite zu locken. Und dass auch alles analysiert wird, wer wann wo auf welche Anzeige drauf klickt und was man verändern kann, damit die Leute mehr drauf klicken. Das war schon spannend.

Hat es dir ein bisschen geholfen, herauszufinden was dir Spaß macht?

Ja schon ein bisschen. Also das was Annalena mit den technischen Details bei SEO macht, ist schon interessant, aber nichts für mich. Es ist einfach zu technisch, es ging schon in Richtung Informatik und da mache ich in der Schule schon einen ganz großen Bogen drum.

Aber es hat mich schon bestärkt, dass mich diese Richtung irgendwie interessiert.

Was war für dich vorher Marketing? Wie hast du dir das vorgestellt?

Ich hatte gar keine so genaue Vorstellung, das weiß ich gar nicht so genau. Zum Beispiel mit der Website-Gestaltung. Ich hatte mir irgendwie vorgestellt, dass Kunden herkommen und sagen: Ich möchte mehr über meine Website oder Shop verkaufen, könnt ihr mir da helfen? So eine genaue Vorstellung hatte ich noch gar nicht.

Naja manchmal ist das auch genauso. 😉 Also hat sich deine Vorstellung jetzt geändert?

Es hat sich auf jeden Fall erweitert. Jetzt denke ich ganz anders drüber nach, worauf ich klicke, zumindest auch mit den Anzeigen. Welche Auswirkungen das dann auch zum Beispiel hat und dass dafür bezahlt werden muss.

Was bedeutet das nun für das Marketing der Zukunft?

  1. Shopping muss einfach sein. Umwege sollten vermieden werden. Fans bzw. Stammkunden wollen schnell ans Ziel und das richtige Produkt kommen, z. B. durch Progressive Web Apps.
  2. Werbung muss beeindrucken, besonders sein, um nicht gemieden und ignoriert zu werden. Videowerbung ist eine Selbstverständlichkeit.
  3. Die Verzahnung von Online und stationärem Handel muss voranschreiten. Einkaufscenter und kurze Wege zum gewünschten Produkt werden immer noch gewünscht.
  4. Es gilt mittlere Preise (nicht zu günstig und nicht zu teuer) und gute Qualität zu bieten. Zudem sollte der persönliche Geschmack der manchmal sprunghaften Kunden jederzeit durch personalisierte Inhalte erfüllt werden. Gleichzeitig muss auch der Wunsch nach Inspiration und Neuem abgedeckt werden.
  5. In der Generation Z sind eine gesunde Skepsis hinsichtlich Datenschutzes und eine Sensibilität für die Verbreitung von Inhalten vorhanden. Der Wunsch nach Privatsphäre und Sicherheit der Daten muss zwingend gewährleistet werden.
  6. Sprachassistenten sind in der Generation Z noch nicht selbstverständlich im Alltag angekommen. Bedenken der Eltern können durchaus Einfluss haben. Auch hier muss der Datenschutz erhöht werden und der Nutzen des Angebotes die Bedenken überwiegen.
Autor:
Jochen Meiring

Jochen Meiring hat seinen M.A. in Kommunikationswissenschaft an der WWU Münster gemacht. Als Experte für Content Marketing setzt er sich immer wieder mit neuen Trends im Onlinemarketing auseinander. Seine Kreativität und Neugier kann er in den unterschiedlichsten Kundenprojekten und im Blog von interface medien ausleben.

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